Rafik Schami erzählt in seinem Buch Eine Hand voller Sterne aus der Perspektive eines armen Bäckerjungen vom Leben in Damaskus und den damit verbundenen Problemen. Der Ich-Erzähler muss hart dafür kämpfen, seinen den Traum des Schreibens (von Gedichten und journalistischen Texten) verwirklichen zu können. Aus der Sicht des Jungen werden dem Leser soziale Ungleichheiten ebenso vor Augen geführt wie politische. Die Lebenssituationen von verschiedensten Menschen mit unterschiedlichen Religionen, Berufen und Hintergründen werden dem Leser nahe gebracht. Da gibt es den Vater des Jungen, der sich als Bäcker durchschlägt und dem das Arbeiten in der Bäckerei wichtiger ist als eine gute Schulbildung. Da gibt es den alten Onkel Salim, der trotz ärmlicher Verhältnisse den Blick auf das Schöne nicht verloren hat und alle mit seinen Geschichten fesselt. Da gibt es Habib, der als Journalist gegen die syrische Regierung kämpft und diesen Kampf letztlich mit dem Leben bezahlt. Nadia, die Tochter eines Geheimagenten, muss sich gegen den einflussreichen Vater wehren, um mit dem Jungen zusammen sein zu können, den sie liebt. Das Verhältnis von Vater und Sohn, ebenso wie das Entstehen einer Liebe werden einfühlsam beleuchtet.
Die Tagebuchform trägt dazu bei, dass eine Nähe zwischen dem Leser und dem Ich-Erzähler entsteht. Denn nur in ein Tagebuch werden Dinge geschrieben, die schonungslos ehrlich über Ängste, Gefühle und Ansichten des Schreibers berichten. Die Sicht des 14-Jährigen auf diese Themenvielfalt ist direkt und aufrichtig. Und gerade deswegen ist dieses Buch nicht nur als Jugendbuch zu lesen und zu verstehen. Obwohl aus der Perspektive eines Jugendlichen, ist Eine Hand voller Sterne ein Buch, das Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern zeigt, was es bedeutet, sich für etwas einzusetzten und für Gerechtigkeit und Wahrheit zu kämpfen – in Syrien und überall auf der Welt.
Rafik Schami selbst fordert, dass die sogenannte Migrantenliteratur bei der Interpretation weder einen Mitleidsbonus bekommen sollte, noch mit der eisernen Zange angefasst werden darf. Stattdessen sucht er Hände, die die Berührung nicht scheuen.
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